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die vollständige Ansprache in Manoppello:
"iebe Brüder und Schwestern!
Ich möchte zu allererst dem Herrn für die heutige einfache und familiäre
Begegnung danken – an einem Ort, wo wir über das Geheimnis der göttlichen
Liebe nachdenken können, während wir das Heilige Antlitz betrachten. An
alle Anwesenden geht mein herzlichster Dank für euren herzlichen Empfang
und für die Mühe und die Diskretion, mit der ihr diese meine private
Pilgerreise begünstigt habt. Ich grüße dankend besonders euren
Erzbischof, der den gemeinsamen Gefühlen Ausdruck verliehen hat. Danke für
die Geschenke, die ihr mir gemacht habt und die ich besonders wegen ihrer
Qualität als "Zeichen" schätze, wie sie von Erzbischof Forte
genannt wurden. Sie sind in der Tat Zeichen der gefühlsmäßigen und
wirksamen Gemeinschaft, die das Volk dieses lieben Landes der Abruzzen mit
dem Nachfolger Petri verbindet. Einen besonderen Gruß richte ich an euch
Priester, Ordensmänner, Ordensfrauen und Seminaristen, die ihr hier
zusammengekommen seid. Da es nicht möglich ist, mit der gesamten Diözesangemeinde
zusammenzutreffen, bin ich froh darüber, dass ihr es seid, die sie repräsentieren:
Menschen, die sich bereits dem Priesterdienst und dem geweihten Leben
widmen oder auf das Priestertum zugehen; Menschen, die ich gerne als in
Christus Verliebte betrachte, die von ihm angezogen und eifrig darum bemüht
sind, aus dem eigenen Leben eine kontinuierliche Suche nach dem Heiligen
Antlitz zu machen. Einen dankbaren Gedanken richte ich schließlich an die
Gemeinschaft der Kapuzinerpatres, deren Gäste wir sind und die sich seit
Jahrhunderten um dieses Heiligtum kümmert, das Ziel so vieler Pilger ist.
Während ich gerade eben im Gebet verharrte, dachte ich an die ersten
beiden Apostel, die – angespornt von Johannes dem Täufer – Jesus beim
Fluss Jordan folgten, wie am Anfang des Johannesevangeliums zu lesen ist
(vgl. Joh 1,35-37). Der Evangelist erzählt, dass Jesus sich umwandte und
sie fragte: "Was wollt ihr?" Sie antworteten: "Rabbi, wo
wohnst du?" Er erwiderte: "Kommt uns seht!" (vgl. Joh
1,38-39). An jenem selben Tag machten die beiden, die ihm nachfolgten,
eine unvergessliche Erfahrung, die sie dazu veranlasste zu sagen:
"Wir haben den Messias gefunden" (Joh 1,41). Der, den sie bis
vor wenigen Stunden als einen einfachen "Rabbi" ansahen, hatte
eine sehr genaue Identität angenommen: die des seit Jahrhunderten
erwarteten Christus. Welch langen Weg aber hatten jene Jünger in
Wirklichkeit noch vor sich! Sie konnten sich nicht einmal vorstellen, wie
tief das Geheimnis Jesu von Nazareth, wie unergründlich und
unerforschlich sein "Antlitz" sein würde. So unerforschlich,
dass sich Philippus, einer von ihnen, nach drei Jahren gemeinsamen Lebens
während des Letzten Abendmahls sagen lassen muss: "Schon so lange
bin ich bei euch, und du hast mich nicht erkannt, Philippus?" Und
dann die Worte, die die ganze Neuheit der Offenbarung Jesu zum Ausdruck
bringen: "Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen" (Joh
14,9). Erst nach seinem Leiden, wenn sie ihm als dem Auferstandenen
begegnen, wenn der Heilige Geist ihren Sinn und ihre Herzen erleuchtet,
werden die Apostel die Bedeutung dieser Worte verstehen, die Jesus gesagt
hat, und sie werden ihn dann als den Sohn Gottes erkennen, als den für
die Erlösung der Welt verheißenen Messias. Dann werden sie unermüdliche
Boten und mutige Zeugen sein – bis zum Martyrium.
"Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen." Ja, liebe Brüder
und Schwestern, um "Gott zu sehen", muss man Christus kennen und
sich von seinem Geist, der die Gläubigen zur "ganzen Wahrheit"
führt (vgl. Joh 16,13), formen lassen. Wer Jesus begegnet, wer sich von
ihm anziehen lässt und bereit ist, ihm bis zum Opfer des Lebens zu
folgen, erfährt persönlich – wie Jesus am Kreuz –, dass nur das
Weizenkorn, das in die Erde fällt und stirbt, reiche Frucht bringt (vgl.
Joh 12,24). Das ist der Weg Christi, der Weg der totalen Liebe, die den
Tod besiegt: Wer ihn einschlägt und "sein Leben in dieser Welt
gering achtet, wird es bewahren bis ins ewige Leben" (Joh 12,25). Das
heißt: Er lebt schon in dieser Welt in Gott, angezogen und verwandelt vom
Glanz seines Angesichts. Das ist die Erfahrung der wahren Freunde Gottes,
der Heiligen, die in den Brüdern, besonders in den Ärmsten und Bedürftigsten,
das Antlitz jenes Gottes erkannt und geliebt haben, den sie lange in Liebe
im Gebet betrachteten. Sie sind für uns ermutigende Beispiele zur
Nachahmung. Sie versichern uns: Wenn auch wir in Treue diesen Weg, den Weg
der Liebe beschreiten, wie der Psalmist singt, so werden wir uns an der
Gegenwart Gottes sättigen (vgl. Ps 17,15).
"Jesu... quam bonus te quaerentibus! – Wie gut bist du, o Jesus, zu
denen, die dich suchen!" So habt ihr gerade mit dem antiken Hymnus
"Jesu, dulcis memoria" gesungen, der von einigen dem heiligen
Bernhard zugeschrieben wird. Es ist ein Hymnus, der in diesem Heiligtum,
das dem Heiligen Antlitz geweiht ist, eine besondere Beredsamkeit annimmt
und der Psalm 24 ins Gedächtnis ruft: "Das sind die Menschen, die
nach ihm fragen, die dein Antlitz suchen, Gott Jakobs" (6). Wer aber
sind die Menschen, die das Antlitz Gottes suchen? Welche Menschen sind würdig,
"zum Berg des Herrn hinaufzuziehen" und "an seiner heiligen
Stätte zu verweilen"? Der Psalmist erklärt: Es sind diejenigen, die
"reine Hände und ein lauteres Herz" haben, die nicht lügen,
die keinen Meineid zum Schaden ihrer Nächsten schwören (vgl. 3-4). Also:
Um in Gemeinschaft mit Christus zu treten und sein Antlitz zu betrachten,
um das Antlitz des Herrn in jedem der Brüder und in den Begebenheiten der
Welt zu erkennen, bedarf es der "reinen Hände und lauteren
Herzen". Unschuldige Hände, das heißt von der Wahrheit der Liebe
erleuchtete Existenzen, von einer Liebe, die die Gleichgültigkeit, den
Zweifel, die Lüge und den Egoismus besiegt; und darüber hinaus sind
lautere Herzen notwendig – von der göttlichen Schönheit entrückte
Herzen, wie die kleine Therese von Lisieux in ihrem Gebet zum Heiligen
Antlitz sagt, Herzen, die das Antlitz Christi eingeprägt in sich tragen.
Liebe Priester, wenn die Heiligkeit seines Antlitzes in euch, Hirten der
Herde Christi, eingeprägt bleibt, dann habt keine Angst: Auch die eurer
Sorge anvertrauten Gläubigen werden von ihm angesteckt und verwandelt
werden. Und ihr Seminaristen, die ihr euch darauf vorbereitet,
verantwortliche Leiter des Christenvolkes zu sein: Lasst euch von nichts
anderem als von Jesus und von der Sehnsucht anziehen, seiner Kirche zu
dienen. Gleiches möchte ich euch Ordensmännern und Ordensfrauen sagen:
Eine jede eurer Tätigkeiten sei ein sichtbarer Widerschein der göttlichen
Güte und Barmherzigkeit. "Dein Antlitz, o Herr, suche ich": Das
Suchen des Antlitzes Jesu muss die Sehnsucht aller Christen sein. Wir sind
nämlich die Menschen, die in dieser Zeit sein Antlitz suchen, das Antlitz
des "Gottes Jakobs". Wenn wir damit fortfahren, das Antlitz
Christi zu suchen, wird am Ende unserer Pilgerreise er, Jesus, unsere
ewige Freude, unsere Belohnung und Herrlichkeit für immer sein: "Sis
Jesu nostrum gaudium, / qui es futurus praemium: / sit nostra in te gloria,
/ per cuncta semper specula".
Das ist die Sicherheit, die die Heiligen eurer Region beseelt hat. Von
ihnen möchte ich besonders Gabriele dell'Addolorata und Camillo de Lellis
erwähnen. An sie richten sich unser verehrendes Gedenken und unser Gebet.
Einen Gedanken der besonderen Verehrung widmen wir jetzt aber der "Königin
aller Heiligen", der Jungfrau Maria, die ihr in verschiedenen Heiligtümern
und Kappellen, verehrt, die über die Täler und Berge der Abbruzzen
verstreut sind. Die Madonna, in deren Antlitz man mehr als in dem eines
jeden anderen Geschöpfs die Züge des fleischgewordenen Wortes ausmacht,
möge über die Familien und die Pfarreien, über die Städte und die
Nationen der ganzen Welt wachen. Die Mutter des Schöpfers helfe uns, die
Natur zu achten, dieses große Geschenk Gottes, das wir hier im Blick auf
die wunderbaren Berge, die uns umgeben, bewundern können. Dieses Geschenk
ist aber immer mehr ernsten Risiken der Umweltzerstörung ausgesetzt und
muss deshalb verteidigt und geschützt werden. Wie euer Erzbischof
bemerkte, handelt es sich dabei um eine Dringlichkeit, die durch den Tag
des Gebets und der Reflexion zur Bewahrung der Schöpfung, den die Kirche
in Italien gerade heute begeht, in angebrachter Weise betont wird.
Liebe Brüder und Schwestern, während ich euch noch einmal für eure
Gegenwart danke, rufe ich auf euch alle und auf eure Lieben mit der
antiken biblischen Formel den Segen Gottes herab: "Der Herr segne
euch und behüte euch. Der Herr lasse sein Angesicht über euch leuchten
und sei euch gnädig. Der Herr wende sein Angesicht euch zu und schenke
euch Frieden" (vgl. Num 24-26). Amen!"
[ZENIT-Übersetzung des italienischen Originals; © Copyright 2006 –
Libreria Editrice Vaticana]
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