Zeuge01.jpg (383866 Byte)Monstranz.jpg (339537 Byte)Papstgebet01.jpg (316779 Byte)Ikone02.jpg (275773 Byte)Papstweg01.jpg (226355 Byte)Papstweg02.jpg (261060 Byte)Papstgebet02.jpg (298502 Byte)

Home mehr zur Forschung     mehr Bilder

1. September 2006

 

Papst Benedikt auf den Spuren 
des lebenden  Schleiers.

 

 

die vollständige Ansprache in Manoppello: 

 
"iebe Brüder und Schwestern!

Ich möchte zu allererst dem Herrn für die heutige einfache und familiäre Begegnung danken – an einem Ort, wo wir über das Geheimnis der göttlichen Liebe nachdenken können, während wir das Heilige Antlitz betrachten. An alle Anwesenden geht mein herzlichster Dank für euren herzlichen Empfang und für die Mühe und die Diskretion, mit der ihr diese meine private Pilgerreise begünstigt habt. Ich grüße dankend besonders euren Erzbischof, der den gemeinsamen Gefühlen Ausdruck verliehen hat. Danke für die Geschenke, die ihr mir gemacht habt und die ich besonders wegen ihrer Qualität als "Zeichen" schätze, wie sie von Erzbischof Forte genannt wurden. Sie sind in der Tat Zeichen der gefühlsmäßigen und wirksamen Gemeinschaft, die das Volk dieses lieben Landes der Abruzzen mit dem Nachfolger Petri verbindet. Einen besonderen Gruß richte ich an euch Priester, Ordensmänner, Ordensfrauen und Seminaristen, die ihr hier zusammengekommen seid. Da es nicht möglich ist, mit der gesamten Diözesangemeinde zusammenzutreffen, bin ich froh darüber, dass ihr es seid, die sie repräsentieren: Menschen, die sich bereits dem Priesterdienst und dem geweihten Leben widmen oder auf das Priestertum zugehen; Menschen, die ich gerne als in Christus Verliebte betrachte, die von ihm angezogen und eifrig darum bemüht sind, aus dem eigenen Leben eine kontinuierliche Suche nach dem Heiligen Antlitz zu machen. Einen dankbaren Gedanken richte ich schließlich an die Gemeinschaft der Kapuzinerpatres, deren Gäste wir sind und die sich seit Jahrhunderten um dieses Heiligtum kümmert, das Ziel so vieler Pilger ist.

Während ich gerade eben im Gebet verharrte, dachte ich an die ersten beiden Apostel, die – angespornt von Johannes dem Täufer – Jesus beim Fluss Jordan folgten, wie am Anfang des Johannesevangeliums zu lesen ist (vgl. Joh 1,35-37). Der Evangelist erzählt, dass Jesus sich umwandte und sie fragte: "Was wollt ihr?" Sie antworteten: "Rabbi, wo wohnst du?" Er erwiderte: "Kommt uns seht!" (vgl. Joh 1,38-39). An jenem selben Tag machten die beiden, die ihm nachfolgten, eine unvergessliche Erfahrung, die sie dazu veranlasste zu sagen: "Wir haben den Messias gefunden" (Joh 1,41). Der, den sie bis vor wenigen Stunden als einen einfachen "Rabbi" ansahen, hatte eine sehr genaue Identität angenommen: die des seit Jahrhunderten erwarteten Christus. Welch langen Weg aber hatten jene Jünger in Wirklichkeit noch vor sich! Sie konnten sich nicht einmal vorstellen, wie tief das Geheimnis Jesu von Nazareth, wie unergründlich und unerforschlich sein "Antlitz" sein würde. So unerforschlich, dass sich Philippus, einer von ihnen, nach drei Jahren gemeinsamen Lebens während des Letzten Abendmahls sagen lassen muss: "Schon so lange bin ich bei euch, und du hast mich nicht erkannt, Philippus?" Und dann die Worte, die die ganze Neuheit der Offenbarung Jesu zum Ausdruck bringen: "Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen" (Joh 14,9). Erst nach seinem Leiden, wenn sie ihm als dem Auferstandenen begegnen, wenn der Heilige Geist ihren Sinn und ihre Herzen erleuchtet, werden die Apostel die Bedeutung dieser Worte verstehen, die Jesus gesagt hat, und sie werden ihn dann als den Sohn Gottes erkennen, als den für die Erlösung der Welt verheißenen Messias. Dann werden sie unermüdliche Boten und mutige Zeugen sein – bis zum Martyrium.

"Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen." Ja, liebe Brüder und Schwestern, um "Gott zu sehen", muss man Christus kennen und sich von seinem Geist, der die Gläubigen zur "ganzen Wahrheit" führt (vgl. Joh 16,13), formen lassen. Wer Jesus begegnet, wer sich von ihm anziehen lässt und bereit ist, ihm bis zum Opfer des Lebens zu folgen, erfährt persönlich – wie Jesus am Kreuz –, dass nur das Weizenkorn, das in die Erde fällt und stirbt, reiche Frucht bringt (vgl. Joh 12,24). Das ist der Weg Christi, der Weg der totalen Liebe, die den Tod besiegt: Wer ihn einschlägt und "sein Leben in dieser Welt gering achtet, wird es bewahren bis ins ewige Leben" (Joh 12,25). Das heißt: Er lebt schon in dieser Welt in Gott, angezogen und verwandelt vom Glanz seines Angesichts. Das ist die Erfahrung der wahren Freunde Gottes, der Heiligen, die in den Brüdern, besonders in den Ärmsten und Bedürftigsten, das Antlitz jenes Gottes erkannt und geliebt haben, den sie lange in Liebe im Gebet betrachteten. Sie sind für uns ermutigende Beispiele zur Nachahmung. Sie versichern uns: Wenn auch wir in Treue diesen Weg, den Weg der Liebe beschreiten, wie der Psalmist singt, so werden wir uns an der Gegenwart Gottes sättigen (vgl. Ps 17,15).

"Jesu... quam bonus te quaerentibus! – Wie gut bist du, o Jesus, zu denen, die dich suchen!" So habt ihr gerade mit dem antiken Hymnus "Jesu, dulcis memoria" gesungen, der von einigen dem heiligen Bernhard zugeschrieben wird. Es ist ein Hymnus, der in diesem Heiligtum, das dem Heiligen Antlitz geweiht ist, eine besondere Beredsamkeit annimmt und der Psalm 24 ins Gedächtnis ruft: "Das sind die Menschen, die nach ihm fragen, die dein Antlitz suchen, Gott Jakobs" (6). Wer aber sind die Menschen, die das Antlitz Gottes suchen? Welche Menschen sind würdig, "zum Berg des Herrn hinaufzuziehen" und "an seiner heiligen Stätte zu verweilen"? Der Psalmist erklärt: Es sind diejenigen, die "reine Hände und ein lauteres Herz" haben, die nicht lügen, die keinen Meineid zum Schaden ihrer Nächsten schwören (vgl. 3-4). Also: Um in Gemeinschaft mit Christus zu treten und sein Antlitz zu betrachten, um das Antlitz des Herrn in jedem der Brüder und in den Begebenheiten der Welt zu erkennen, bedarf es der "reinen Hände und lauteren Herzen". Unschuldige Hände, das heißt von der Wahrheit der Liebe erleuchtete Existenzen, von einer Liebe, die die Gleichgültigkeit, den Zweifel, die Lüge und den Egoismus besiegt; und darüber hinaus sind lautere Herzen notwendig – von der göttlichen Schönheit entrückte Herzen, wie die kleine Therese von Lisieux in ihrem Gebet zum Heiligen Antlitz sagt, Herzen, die das Antlitz Christi eingeprägt in sich tragen.

Liebe Priester, wenn die Heiligkeit seines Antlitzes in euch, Hirten der Herde Christi, eingeprägt bleibt, dann habt keine Angst: Auch die eurer Sorge anvertrauten Gläubigen werden von ihm angesteckt und verwandelt werden. Und ihr Seminaristen, die ihr euch darauf vorbereitet, verantwortliche Leiter des Christenvolkes zu sein: Lasst euch von nichts anderem als von Jesus und von der Sehnsucht anziehen, seiner Kirche zu dienen. Gleiches möchte ich euch Ordensmännern und Ordensfrauen sagen: Eine jede eurer Tätigkeiten sei ein sichtbarer Widerschein der göttlichen Güte und Barmherzigkeit. "Dein Antlitz, o Herr, suche ich": Das Suchen des Antlitzes Jesu muss die Sehnsucht aller Christen sein. Wir sind nämlich die Menschen, die in dieser Zeit sein Antlitz suchen, das Antlitz des "Gottes Jakobs". Wenn wir damit fortfahren, das Antlitz Christi zu suchen, wird am Ende unserer Pilgerreise er, Jesus, unsere ewige Freude, unsere Belohnung und Herrlichkeit für immer sein: "Sis Jesu nostrum gaudium, / qui es futurus praemium: / sit nostra in te gloria, / per cuncta semper specula".

Das ist die Sicherheit, die die Heiligen eurer Region beseelt hat. Von ihnen möchte ich besonders Gabriele dell'Addolorata und Camillo de Lellis erwähnen. An sie richten sich unser verehrendes Gedenken und unser Gebet. Einen Gedanken der besonderen Verehrung widmen wir jetzt aber der "Königin aller Heiligen", der Jungfrau Maria, die ihr in verschiedenen Heiligtümern und Kappellen, verehrt, die über die Täler und Berge der Abbruzzen verstreut sind. Die Madonna, in deren Antlitz man mehr als in dem eines jeden anderen Geschöpfs die Züge des fleischgewordenen Wortes ausmacht, möge über die Familien und die Pfarreien, über die Städte und die Nationen der ganzen Welt wachen. Die Mutter des Schöpfers helfe uns, die Natur zu achten, dieses große Geschenk Gottes, das wir hier im Blick auf die wunderbaren Berge, die uns umgeben, bewundern können. Dieses Geschenk ist aber immer mehr ernsten Risiken der Umweltzerstörung ausgesetzt und muss deshalb verteidigt und geschützt werden. Wie euer Erzbischof bemerkte, handelt es sich dabei um eine Dringlichkeit, die durch den Tag des Gebets und der Reflexion zur Bewahrung der Schöpfung, den die Kirche in Italien gerade heute begeht, in angebrachter Weise betont wird.

Liebe Brüder und Schwestern, während ich euch noch einmal für eure Gegenwart danke, rufe ich auf euch alle und auf eure Lieben mit der antiken biblischen Formel den Segen Gottes herab: "Der Herr segne euch und behüte euch. Der Herr lasse sein Angesicht über euch leuchten und sei euch gnädig. Der Herr wende sein Angesicht euch zu und schenke euch Frieden" (vgl. Num 24-26). Amen!"

[ZENIT-Übersetzung des italienischen Originals; © Copyright 2006 – Libreria Editrice Vaticana]
 

   

 

 

Der Text auf der Ikone ist die zu dem Tuch gehörende Stelle, Vers 6,7  aus dem Johannesevangelium in Kapitel 20. Sinngemäß las Bischof Bruno Forte dem Heiligen Vater vor: 

"Komm Petrus und schau!  Betrachte das Tuch, das auf dem Haupt Jesu lag."